Dieses Blog entstand 2007, mit den Texten aus meiner Zeit als Praktikant beim Goethe-Institut-Ramallah.
Im Februar 2005 wurde durch ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Mahmoud Abbas
und
Ariel Sharon die 2. Intifada offiziell beendet.
Ende August 2005 ist Israel mit seinen Siedlern und dem Militaer komplett aus

dem Gazastreifen abgezogen.
Aus der Zeit dazwischen stammen diese Berichte und Geschichten.

Dritter Gruss

Salam, Shalom, Peace,
und mal wieder schoene Gruesse aus dem Land der Palaestinenser. Die ruhigen Zeiten des April und anfaenglichen Mai sind vorbei. Israelis schiessen auf Israelis, Palaestinenser auf Palaestinenser und natuerlich beschiessen sie sich auch gegenseitig. In Gaza kommen wieder Kampfjets und Hubschrauber zum Einsatz, in Nablus auch, Gaza wird abgeriegelt, fuer einige Tage, militaerisches Sperrgebiet, zeitweise wird auch der Checkpoint zwischen Ramallah und Jerusalem geschlossen. Aber alles ist normal, nicht dass ich mich mit dieser Situation einfach abfinde, aber es laesst sich keiner das Brodeln anmerken, keiner spricht darueber, ausser ein kurzes Erwaehnen am Rande, dass wieder jemand abgefuehrt sei oder erschossen wurde den man kannte, Biss in den Kuchen, Schluck vom Kaffee, ach ja, das Wetter ist auch nicht mehr das, was es mal war...

So selbstverstaendlich wie in Deutschland vom wirtschaftlichen Schwaecheln in den Zeitungen berichtet wird, was auch nur noch ueberflogen wird, so selbstverstaendlich und taeglich wird hier von den Toten berichtet, und es wird nur beilaeufig ueberflogen, auf der Suche nach den Seiten mit den Comics. Ich moechte niemanden einen Vorwurf machen, schliesslich gibt es das schon seit ueber zwei Jahrzehnten, im Grunde mein ganzes Leben lang. Man ist muede und hat sich eingerichtet. Der Islamische Dschihad moechte gern den Waffenstillstand aufkuendigen – macht nichts – in Gaza fliegen taeglich Raketen der Hamas auf Siedlungen – ja, ja – Israel kaempft im Suedlibanon mit der Hisbollah – so, so.
Meine Arbeit macht weiterhin Spass, ich knuepfe Kontakte, organisiere, recherchiere und schreibe an einem Exposé mit. Das kulturelle Leben hier hatte im Juni einen Hoehepunkt, Ferien, da gab es ein arabisches Filmfestival, ein palaestinensisches Tanzfestival, das Jerusalem Musikfestival, eine franzoesische und eine italienische Kinowoche. Also war mal fast jeder Abend ausgebucht hier, was ja ansich eine Besonderheit darstellt. Reisen im Land wird zusehends schwieriger, die Checkpoints oft nur noch mit Spezialgenehmigungen passierbar. Aber auf Grund der vielen Unternehmungen in Ramallah bin ich da im Juni eh etwas kuerzer getreten. Ich habe mir nun fuer den Juli wieder viele Fahrten vorgenommen, da Schule und Uni hier wieder anfangen, die kulturellen Angebote also spuehrbar weniger werden.

Nicht das ein falscher Eindruck entsteht, ich kann weiterhin jedem empfehlen diese Laender heute noch zu bereisen, die groesste Gefahr geht nach wie vor vom palaestinensischen Sttassenverkehr aus. In diesem Sinne Hals- und Beinbruch euch allen bei euren Unternehmungen, freue mich ueber jede Art von Anfragen oder Deutungen und wuensche euch ein aehnlich schoenes Wetter wie hier (heisse Tage, kuehle Naechte, manchmal wolkig aber trocken).

Ma salam

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