Ein persoenliches Netzwerk von Informanten ist allemal besser als die taegliche Stoeberei durch Zeitungen und das Internetgewusel. Wer braucht denn auch die veralteten Zeitungsinformationen von gestern, wenn jetzt direkt der Nachbar anruft und uns ueber die neuesten Totesfaelle in unserer Strasse berichtet. Und die Internetredakteure scheren sich ja nicht drum, was in der abgeschiedenen und ruhigen Gasse zwischen den Strassen passiert.
Dann braucht man natuerlich auch nicht zu wissen, wie das Internet funktioniert, wo und wie ich Informationen raussaugen kann, wessen Seite ich aufrufen muss und wie ich das ueberhaupt mache. Irgendjemanden kenne ich schon, der weiss, wen ich zu fragen habe, um zu erfahren wen ich dann fragen sollte um den Bekannten von meinem uebernaechsten Nachbarn kennenzulernen, der mir dann erzaehlen kann von seines Cousin Freund, der den Bekannten seiner Tante, muetterlicher seits, um die Hilfe nach der Suche der Freundin seines Frisoers bitten kann, damit ich erfahre, wer in meiner Gasse etwas gesehen hat. Und glauben sie mir, das geht schneller als die Recherche im Internet, kostet ein paar Cent Telefongebuehren und bringt einem bei jedem kennenlernen einen Kaffee ein.
Problematischer wird es dann erst, wenn es um spezielle Informationen geht, zum Beispiel wie ich in Deutschland promovieren koennte. Dann muss man tief in die Trickkiste greifen, alle Joker des Netzwerkes einsetzen und die halbe Stadt mobilisieren, um jemanden zu finden, der weiss, wo ich fragen kann um die Auskunft zu erhalten wer es Nicht wissen wird. Das hilft ungemein, erspart mir einen Kaffee im Blut, denn Dieser genannte waehre mein naechster Kandidat auf der Liste der zu fragenden gewesen. Also weiter, erstmal zum Kollegen des Vogelhaendlers, der hat ja mal ein Kaninchen an jemanden verkauft, der einen grossen Benz hatte, dessen Kinder sehr gutes Englisch sprachen, also schon mal in Amerika gewesen sein koennten. Ja, ich weiss, Amerika hat nichts mit Deutschland zu tun, aber Ausland ist Ausland. Der Kollege vom Vogelhaendler kannte den Herren im Benz leider nicht persoenlich, doch sein Bruder hat einmal jemanden beim reparieren des Autos auf der Strasse geholfen und dabei erfahren, der kenne vielleicht jemanden. Der Bruder ist nicht zu erreichen, gerade im Gefaengniss, doch der Nachbar hat mitgehoert, dass sich damals, bei der Reparaturhilfe, jemand aufgeregt hatte, dass man dem nicht das Auto zusammenflicken sollte. Er wird ihn also schon kennen. Und wer war derjenige, der sich aufregte, ja, da koenne man mal in dem Supermarkt nachfragen, der drei Strassen weiter ist, der bedient immer die Leute, die nicht so liberal sind.
Der Herr hinter der Theke des Supermarktes ist heut nur zur Aushilfe, er kenne die Kunden zwar, doch aber nicht so intensiv. Der Besitzer ist heute bei einem Bruder zu Besuch, in der uebernaechsten Stadt, kann aber auch sein, das sie an den Fluss gefahren sind. In der Einoede funktioniert das Handy leider nicht. Also an den Fluss gefahren. Da sitzt jemand, mit zwei Frauen und fuenf Kindern, ob er jemanden kenne, der im Supermarkt drei Strassen vom Vogelhaendler entfernt arbeite. Nein, aber er gehe da manchmal einkaufen. Ob er sich denn schonmal aufgeregt haette ueber jemanden, der bei einer Autoreparatur mitgeholfen hatte. Ja, er wuerde sich darueber auch aufregen, er kenne aber den Bruder vom Vogelhaendler nicht, der geholfen habe. Und nein, sein Aufregen bezog sich eher auf das Generelle, nicht auf einen speziefischen Fall. Vielleicht aber koenne sein Cousin weiterhelfen, der habe mal jemanden bei einer Reparatur beobachtet und sei hinterher wutschnaubend zu ihm gekommen und habe berichtet. Ich koennte den Cousin in der naechsten Stadt treffen, eventuell im zweiten oder im dritten Cafe der grossen Strasse.
Also erstmal in die naechste Stadt, bevor ich die uebernaechste aufsuche, wo vielleicht der Bruder sich aufhaelt. Erst im dritten Cafe habe ich jemanden getroffen, der einen Cousin hat, der in meiner Stadt bei dem Supermarkt einkauft, der drei Strassen vom Vogelhaendler entfernt ist. Er weiss von einem Vorfall, da half doch jemand jemanden bei der Autoreparatur, ob aber der Helfende der Bruder vom Vogelhaendler war wisse er nicht. Der Hilfebeduerftige war aber ein Aussenseiter, haette dem Imam oeffentlich wiedersprochen. Sein Onkel habe eine Schwester, deren Tochter auch liberal sei. Sie verkehrt manchmal mit abtruennigen und lebt in einem Dorf hinter meiner Stadt.
Ich entscheide, nicht in die uebernaechste Stadt weiterzufahren, sondern gleich zurueck und in das Dorf hinter meiner Stadt. Dort traf ich leider keine Frau, deren Mutter die Schwester des Onkels eines Herren in der naechsten Stadt sei. Doch eine Nachbarin, die einen Mann kenne, sie kaufe bei ihm ihre Eier, und der Mann haette einen Bruder und eine Schwester und auch Neffen in der naechsten und ueberuebernaechsten Stadt. Der Eierverkaeufer war aber nicht auf seinem Hof, nur seine Schwester und seine Kinder. Die Kinder der Schwester aber, also die Tochter, die auch schon mal mit liberalen verkehre, sind nicht hier, die sind gerade in meiner Stadt, Einkaufsbummel. Und ueber die Vorgaenge in meiner Stadt wisse sie nun wirklich nicht bescheid. Ich rufe die Tochter, die beim Einkaufsbummel ist, an, ja, sie kenne Leute, die mit dem Iman nicht einer Meinung sind. Ob einer mal eine Autoreparatur auf offener Strasse noetig hatte wisse sie nicht. Ich bekam den Hinweis, doch in der uebernaechsten Stadt beim Gewuerzhaendler nachzufragen. Der sei auch abtruennig und kenne sich in der Community besser aus.
Ich also zurueck in die uebernaechste Stadt, zum Gewuerzhaendler. Freundlich gab er mir Auskunft ueber verschiedene Leute seines Clubs der Aussenseiter. Von einem Autoreparaturbeduerftigen wisse er nichts. Also komme ich doch mal auf meine Ausgangsfrage zurueck, ob er wisse, wo ich Informationen herkriegen koennte, wie ich meinen Doktortitel in Deutschland machen koennte. Nun, er lud mich zum siebten Kaffee heute ein, ja, da bin ich bei ihm an der richtigen Adresse. Er kenne sich da aus, woher, er habe einen Neffen, der studierte in Deutschland, machte seinen Master dort. Ah ja, und wie kann ich nun dort promovieren. Nach einigem hin und her, auch small talk genannt, verriet er mir die heiss erwartete Info: Ich muesse im Buero des Goethe-Instituts in meiner Stadt nachfragen.
Na also, geht doch! Wer braucht da schon Internet!
Na also, geht doch! Wer braucht da schon Internet!
So, oder so aehnlich koennte es abgelaufen sein, wenn dann junge Studenten, der deutschen Sprache nicht maechtig, vor meinem Schreibtisch stehen und in gebrochenem Englisch erklaeren, sie wollen in Deutschland promovieren und haetten sich auch schon reichlich darueber informiert. Natuerlich bei allerlei Bekannten. Und im Laufe unseres Gespraeches wird mir allmaehlich klar, dass diese Leute noch nicht einmal im Internet sich informiert haben, geschweige denn in Zeitschriften oder im Buero ihrer Universitaet in Palaestina. Ich verweise sie dann in unsere Mediathek, dort gibt es Broschueren und Internet zur freien Verfuegung. Nach kurzer Zeit jedoch stehen sie wieder bei mir, nein, da haetten sie nichts finden koennen, ihre Informanten seien da hilfreicher gewesen und nun stehen sie hier und wollen Hilfe bei ihrem Versuch nach Deutschland zu kommen. Basta!


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